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Madalina Diaconu (ed.), Kunst und Wahrheit, Festschrift fur Walter Biemel zu seinem 85. Geburtstag

Madalina Diaconu (ed.), Kunst und Wahrheit, Festschrift fur Walter Biemel zu seinem 85. Geburtstag

Studia Phaenomenologica vol III, Special Issue/2003

[orders] (Paperback or Ebook)

Publisher: Romanian Society for Phenomenology & Humanitas

Size: 17cm*24cm / 404 pages
ISSN: 1582-5647 / ISBN: 973-50-0423-2

VORWORT

Der Name von Prof. Walter Biemel bedarf an sich in phänomenologischen Kreisen keiner weiteren Erläuterung: Er ist bekannt als Phänomenologe und Kunstphilosoph, enger Schüler Heideggers, Herausgeber mehrerer Bände der Husserliana und der Gesamtausgabe Heideggers, Übersetzer und Vermittler Heideggers und Jaspers in Frankfreich, Verfasser von Rowohlt-Monographien über Heidegger und Sartre und phänomenologischen Auslegungen zur moder­nen Literatur und Kunst. Den rumänischen Intellektuellen ist es zudem eine Ehre und Freude, daß Prof. Biemel aus Rumänien stammt.
Sein ganzes Leben steht als ein hervorragendes Beispiel für interkulturelle Offenheit und für eine bewußt übernommene Vermittlungsrolle zwischen Kul­turen, Sprachen und Ländern. Geboren im Februar 1918 in der Nähe von Bel-grad als Sohn eines k.u.k. Offiziers, verbrachte Walter Biemel seine Kindheit und Jugend in der siebenbürgischen Stadt Bra?ov/Kronstadt, die 1918 zu Rumänien kam, in einer Familie von sächsischen Intellektuellen (sein Vater war Violinist, Professor am Konservatorium in Bra?ov und Präsident der dor­tigen Philharmonischen Gesellschaft) und in einem Milieu, das eine lange Tra­dition des Zusammenlebens von Rumänen, Deutschen, Ungarn und Juden hatte. Über Familienbeziehungen und dann während seiner Studien an der Uni­versität Bukarest (1937–1941) lernte er die bedeutendsten rumänischen Pro­fessoren der damaligen Zeit kennen (mit Ausnahme von Nae Ionescu, der viele rumänische Intellektuellen beeinflußte wie Mircea Eliade, Emil Cioran und Mihail Sebastian, und der eine explizite rechtspolitische Position vertrat) und wurde vor allem von dem Ästhetiker Tudor Vianu geprägt. Im Rahmen von Feldforschungen als Mitglied der sog. „Soziologischen Schule von Bukarest“, unter der Leitung von Dimitrie Gusti, wurde er mit der rumänischen Volks­kunst vertraut, die er bis heute bewundert. Schon früh, mit knapp zwanzig Jahren, veröffentlichte Walter Biemel Aufsätze, Rezensionen und Übersetzun­gen in deutsch- und rumänischsprachigen Kulturzeitschriften in Bra?ov/Kron­stadt, Sibiu/Hermannstadt und Bukarest.
Aber sein intellektuelles Leben stand sicherlich im Zeichen der Begegnung mit Martin Heidegger, dessen Vorlesungen und Seminare in Freiburg i. Br. er 1942–1944 zusammen mit anderen rumänischen Studenten wie Alexandru Dragomir und Octavian Vuia besuchte. Nachdem die Freiburger Universität im Herbst 1944 geschlossen worden war, wurde Biemel Mitarbeiter am Hus­serl-Archiv in Löwen, wo er mit seiner Frau Marly Biemel mehrere Bände der Husserliana herausgab. 1952 kehrte Walter Biemel nach Deutschland zurück, diesmal an das neu gegründete Husserl-Archiv in Köln. Nach der Habilita­tion wurde er 1962 Professor an der Rheinisch-Westfällischen Technischen Hochschule Aachen und seit 1976 Professor an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.
In all dieser Zeit entstand das philosophische und ästhetische Œuvre Wal­ter Biemels, das hauptsächlich unter dem Einfluß Heideggers und Husserls steht, seine Erläuterungen zu Klassikern der Phänomenologiegeschichte und seine Exegesen zur modernen und gegenwärtigen Literatur und Kunst. Ins Rumänische wurden leider bisher nur die Philosophische Analysen der Kunst der Gegenwart (1987) und die Rowohlt-Monographie zu Martin Heidegger (1996) übersetzt. Hinzu kommen zahlreiche Aufsätze, die auf Deutsch oder in Übersetzungen, verstreut in Sammelbänden und Gedenkschriften, Ausstel­lungskatalogen und Kulturzeitschriften im Westen und in mittel- und osteu­ropäischen Ländern, in den USA und Südamerika erschienen sind. Manche seiner Studien wurden 1996 in zwei Bänden unter dem Titel Gesammelte Schrif­ten vom Verlag frommann–holzboog (Stuttgart) wieder aufgenommen. Bei einer auch nur flüchtigen Lektüre der Publikationsliste von Prof. Biemel fällt auf, wie oft er seine Vorgänger und Professoren, Freunde und Kollegen geehrt hat durch die Herausgabe von Festschriften für Ludwig Landgrebe, Jan Patoèka und Martin Heidegger und durch Beiträge in anderen Festschriften, die Aron Gurwitsch, Martin Heidegger, Ludwig Landgrebe, Bruno Liebrucks, Jan Patoè­ka, Otto Pöggeler, Werner Marx, Jacques Taminiaux, Edmund Husserl, Joseph
J. Kockelmans, Wolfgang Janke, Lorenz Dittmann und Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Graf Stenbock-Fermor, Paul Asveld, Jorge Uscatescu und Alwin Diemer gewidmet worden sind.
Prof. Walter Biemel wurde nun im Februar 2003 fünfundachtzig Jahre, und es ist nun an uns, ihn selbst mit einer Festschrift seiner Freunde, Wegbegleiter und Schüler zu ehren. Den Band Art? ?i adevãr / Kunst und Wahrheit eröffnet ein sehr persönlich gehaltener Rückblick von Prof. Biemel auf die „Wegmar­ken“ seines Lebens und Denkens. Der erste Teil enthält den Text eines noch nicht veröffentlichten Vortrags von Walter Biemel zu Kafka und Studien zu seinem Werk oder zu phänomenologischen Themen von bekannten Namen der gegenwärtigen phänomenologischen Bewegung wie: Elizabeth A. Behnke, Heribert Boeder, Fran¢oise Dastur, Mihailo Djuriæ, Eliane Escoubas, Fran­¢ois Fédier, Klaus Held, Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Heinrich Hüni, Wolf­gang Janke, Rudolf Lüthe, Otto Pöggeler, Ricard Salvat, Claus-Artur Scheier, Hans-Rainer Sepp, Fran¢ois Vezin und Joseph Zumr. Außerdem wird die von Gabriel Liiceanu im Mai 2003 gehaltene Laudatio für Walter Biemel anläßlich der Verleihung des Titels doctor honoris causa der Universität Bukarest an dieser Stelle publiziert.
Der zweite Teil der Festschrift versammelt frühe Zeitschriftenartikel, Rezen­sionen und Kommentare von Walter Biemel, die auf Deutsch und Rumänisch entlegen in Kulturzeitschriften in Rumänien in den Jahren 1938–1943 erschie­nen sind und auch dem rumänischen Publikum kaum bekannt sind. Außer­dem wissen sogar nur wenige unter den Rumänen, daß Walter Biemel der erste Übersetzer Heideggers ins Rumänische ist; so wurde seine gemeinsam mit Alexandru Dragomir verfaßte Übersetzung von Was ist Metaphysik? 1956 in Luceafãrul, einer Zeitschrift des rumänischen Exils in Paris, veröffentlicht. Die Festschrift zu seinem 85. Geburtstag nimmt jedoch einen anderen, noch frü­heren Übersetzungsversuch von Heidegger auf, Fragmente aus „Hölderlin und das Wesen der Dichtung“ (in Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung), später ins Rumänische übersetzt von Thomas Kleininger und Gabriel Liiceanu in Ori­ginea operei de artã (1982).
Der dritte Teil enthält die Mehrzahl der von Walter Biemel auf Rumänisch oder auf Deutsch rumänischen Intellektuellen gegebenen Interviews, die vor und nach 1989 in Kulturzeitschriften in Rumänien erschienen sind. Der Band schließt mit einer ausführlichen Bibliographie, die die Publikationsliste der Gesammelten Schriften (1996) aktualisiert und teilweise ergänzt, u. a. mit den rumänischen Veröffentlichungen von Prof. Biemel.
Überflüssig schien mir die Einfügung eines detaillierten Lebenslaufs von Walter Biemel, sofern dieser sowohl bezüglich seiner äußerlichen Daten als auch des historischen Kontextes und der inneren Einstellung aus dem Besinn­lichen Rückblick und vor allem für die rumänischen LeserInnen aus den Interviews ersichtlich wird. Einer speziellen Anmerkung bedarf der eher unge­wöhnliche Besinnliche Rückblick, in dessen Mittelpunkt mit einer unübertrof­fenen Bescheidenheit der Autor nicht sosehr die Zeitmomente und die Orte, sondern die Namen der unzähligen Freunde aus unterschiedlichen Ländern stellt, die gleichsam die Angelpunkte seines „glücklichen“ Lebens bilden. Wal­ter Biemel wurde während eines Weltkriegs geboren, mußte als junger Mann seinen Weg durch einen Zweiten Weltkrieg finden, mit seinen kurz- und lang­fristigen Folgen, und wurde auch nachher, als reifer Mann, von seinen Freun­den „drüben“ durch den Kalten Krieg getrennt. Durch alle diese Zeiten blieb Walter Biemel der Toleranz und Offenheit treu und ließ sich – wie er in einem Brief an Gabriel Liiceanu schrieb – durch das Grundprinzip leiten: „Leben heißt – dem Mitmenschen helfen“, ohne auf eine dankbare Erwiderung zu war-ten. Vor seinem 85. Geburtstag dankte Walter Biemel seinen Professoren und Förderern, Wegbegleitern und Freunden. Wie viele sind es aber, die – zumal in Rumänien – Prof. Biemel danken möchten oder sollten für seine moralische, geistige und finanzielle Unterstützung, die er uneigennützig und mit einer sel­tenen Großzügigkeit stets gegeben hat? Ein Band reicht gewiß nicht dafür, und pathetische Gesten verstoßen gegen den akademischen Kanon.
Jedesmal, auf jedem Lebensschritt sah Walter Biemel Zeichen des „Glücks“ – und war dankbar dafür. Und sind nicht auch wir, die das „Glück“ haben, daß Walter Biemel aus Rumänien stammt? Es sei hier ein einziges Beispiel gestattet: Walter Biemel hat unter anderem einen wesentlichen Beitrag geleis­tet zur Gründung der Rumänischen Gesellschaft für Phänomenologie im Jahre 2000 und ihrer Zeitschrift, Studia Phænomenologica, deren Mitglied im in­ternationalen editorial board er ist und deren Ausgaben auch durch seine fi­nanzielle Hilfe erschienen sind. Die Verdienste Prof. Biemels in der jahrzehn­telangen Unterstützung der rumänischen Philosophie und in der Bereitschaft zu einem ununterbrochenen Dialog hat die Philosophische Fakultät der Uni­versität Bukarest, wo Prof. Biemel vor fünfundsechzig Jahren studierte und wo er – wie es mir gefällt zu glauben – Professor für Ästhetik hätte werden können, wenn es das Leben nicht anders entschieden hätte, durch die Verlei­hung des Titels doctor honoris causa im Mai 2003 anerkannt. Es ist mir eine Ehre, im Namen aller dieser Institutionen, der Philosophischen Fakultät von Bukarest, der Rumänischen Gesellschaft für Phänomenologie und der Redaktion der Studia Phænomenologica, Prof. Biemel erneut zu danken.
Außerdem möchte ich als Herausgeberin der Festschrift für Prof. Walter Biemel zu seinem 85. Geburtstag dem Jubilar persönlich danken für seine bereit­willige Unterstützung dieses Projektes von Anfang an, sowie auch Prof. Li­iceanu, dem Direktor des Humanitas-Verlags, für die spontane Annahme der Veröffentlichung der Festschrift. Mein herzlicher Dank gilt auch den Ver­fasserInnen der Studien im ersten Teil, die trotz ihres Arbeitsprogramms und manchmal auch der Mühen des Alters sofort die Einladung angenommen haben, zur Festschrift beizutragen oder sogar selbst ihre Teilnahme am Sam­melband angeboten haben. In einer Zeit, wo oft Konkurrenz, Eigeninteressen und selbstsüchtiges, karrierebewußtes Leistungsdenken vorherrschen, war eine solche Bereitschaft und ein derartiges Entgegenkommen eine wertvolle Lebens­erfahrung für mich, für welche ich allen offen danken möchte. Zum Dank bin ich auch Constantin Aslam, Gabriel Liiceanu und I. Opri?an verpflichtet, die die Wiederaufnahme der ihnen von Prof. Biemel gegebenen Interviews in diese Festschrift gestattet haben. Besonders möchte ich die Zusammenarbeit mit meinem Vater, Marin Diaconu, betonen, dem ich für den Hinweis und die Vermittlung der rumänischen, früheren oder späteren, Veröffentlichungen von Prof. Biemel gerne danke. Und nicht zuletzt danke ich für die Ergänzung der Bibliographie Walter Biemels und für ihre Genauigkeit allen jenen, die meine Fragen beantwortet haben: Gabriel Cercel, Ivan Chvatík, Paola-Ludovica Co­riando, Mihailo Djuriæ, Lester Embree, Viorel Pâslaru, Jürgen Trinks und Lukas Marcel Vosicky.


M?d?lina Diaconu
Wien, Pfingsten 2003

STUDIES:
Walter Biemel, Kafkas Dichten des Wohnens am Ende der Neuzeit
Elizabeth A. Behnke, Contact Improvisation and the Lived World
Heribert Boeder, Derridas Endspiel
Françoise Dastur, La poésie comme origine (Hölderlin et Heidegger)
Mihailo Djuri?, Nietzsches Hinausfragen über ostasiatisches Denken
Eliane Escoubas, Walter Biemel et les œuvres de peinture: la «révolution copernicienne» de Picasso
François Fédier, L’irréprochable
Klaus Held, Krise der Gegenwart und Anfang der Philosophie. Zum Verhältnis von Husserl und Heidegger
Friedrich-Wilhelm von Herrmann, Freiheit und Geschichte. Zur Phänomenologie der modernen Technik
Heinrich Hüni, Begierde als Wesen und Grenze des Bewußtseins bei Hegel
Wolfgang Janke, Archaischer Gesang. Anmerkungen zu Hölderlins "Großer-Pindarübertragung"
Gabriel Liiceanu, Laudatio pentru Walter Biemel
Rudolf Lüthe, The Evil Heart. On Normal and Radical Evil in Human Nature
Otto Pöggeler, Heidegger und Klee - Überlegungen zur Kunst
Ricard Salvat, La creación del lenguaje de la puesta en escena en Cataluña y, por extensión, de España, en el contexto teatral de finales del s. XIX y primeros años del XX
Claus-Artur Scheier, Die Nymphe Echo. Eine genealogische Bemerkung zu Derridas Kritis an Husserls "Stimme"
Hans Rainer Sepp, Crisis imaginis. Sartre zur Lösung des Bildes vom Ding im Kunstwerk
François Vezin, Art, mondialisation, primitivisme
Joseph Zumr, Thomas G. Masaryk im Briefwechsel mit Edmund Husserl und anderen deutschen Philosophen

FRüHE ARTIKEL UND ÜBERSETZUNGEN:

Walter Biemel, Eminescu ? Friedrich Schlegel ? Kleist
Walter Biemel, Beim Lesen Nietzsches
Walter Biemel, Ion Petrovici über Kant
Walter Biemel, Martin Heidegger
Walter Biemel, "Sonetele c?tre Orfeu" de Rainer Maria Rilke. Încercare de interpretare
Walter Biemel, Ironia romantic? ?i idealismul german
Walter Biemel, Hölderlin ?i esen?a poeziei (Fragmente)
Walter Biemel, Însemnare la scrierea lui Heidegger "Arta ?i spa?iul"

INTERVIEW:

Gabriel Liiceanu, "… o dezv?luire a posibilit??ilor de filozofare ale unei limbi…"
I. Opri?an, Cu Walter Biemel despre trecutul, prezentul ?i viitorul filozofiei
Constantin Aslam, Walter Biemel: un neam? pentru România
 

 

 

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